ETF Nachteile

Nachteile der ETFs: Was sagen ETF Kritiker und was sagt Finanzpolster?

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Ist das Investieren in ETFs der heilige Gral für den Vermögensaufbau? Immer mehr kritische Stimmen warnen vor ETFs. Welche Gefahren und Nachteile die ETFs haben und was meine Meinung dazu ist, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Argument 1: Aktiv gemanagte Aktienfonds performen in turbulenten Zeiten besser als passive ETFs.

Wenn es an der Börse richtig donnert, dann purzeln die Kurse deiner Aktien-ETFs. Als passiver Anleger bis du dem Markt hilflos ausgeliefert. Du kannst nur zusehen wie dein Depot immer kleiner wird. Davor warnen uns Anbieter aktiv gemanagter Fonds wie Goldman Sachs.

Bei einem aktiv gemanagten Fonds kann der Fondmanager den Fonds gegen fallende Kurse absichern und in Krisenzeiten eine andere Strategie verfolgen.  So haben Fondmanager in den USA in der letzten Finanzkrise 2008 und 2009 den Markt klar geschlagen.

Finanzpolster Meinung:

Daher ist es besonders wichtig in breit diversifizierte ETFs zu investieren, die sowohl Aktien aus Industrieländern als auch Schwellenländer enthalten. Ebenso brauchst du unbedingt Sitzfleisch. Unzählige Studien zeigen, dass aktive gemanagte Fonds über die Jahre im Durchschnitt schlechter abschneiden als der Vergleichsindex (Markt). Außerdem sind die Verwaltungskosten von aktiven Fonds um ein Vielfaches höher als passive gemanagte ETFs.

Argument 2: ETF Investoren performen im Durchschnitt schlechter als der Markt.

Ja du hast das richtig gelesen. Immer mehr Studien, wie unter anderem die Studie von Finanzprofessor Bhattacharya  von der Hong Kong University of Science and Technology mit 2 deutschen Kollegen, haben festgestellt, dass die Performance der ETF Anleger schlechter sind als die der Vergleichsindizes.

So zeigt die Studie auf, dass deutsche ETF Anleger zwischen 2005 und 2010 im Durchschnitt Verluste erzielt haben, während der Vergleichsindex über 4% p.a performte. Noch schlimmer, der ETF Anteil ihrer Anlage hat im gleichen Zeitraum sogar schlechter abgeschnitten als der Rest ihres Portfolios aus aktiven Fonds, Einzelaktien, Anleihen und Zertifikate, die im Durchschnitt eine Rendite von 3.91% p.a. erreichten. (Link zur Studie)

Wie kann ein ETF Anleger schlechter abschneidet als der Vergleichsindex, obwohl er ein Instrument kauft, das genau diesen Index abbildet?

Finanzpolster Meinung:

Dass ETFs Investoren im Durchschnitt schlechter abschneiden als der Markt liegt vor allem daran, dass sie aktiv handeln und versuchen Markettiming vorauszusehen. ETF Anteile werden bei schlechten Marktphasen aus Panik übermäßig verkauft und bei steigenden Märkten aus Angst etwas zu versäumen gekauft. Das ist aber keine spezifische Schwäche des ETFs. Eine Studie von der amerikanischen Analysefirma Dalbar zeigt ganz deutlich, dass dieses Verhalten auch bei aktiv gemanagten Fonds zu beobachten ist. (Link zum Report)

Auch bei aktiv gemanagten Fonds treffen Anleger oft falsche Entscheidungen, die Ihre Rendite schmälern.

Kaufe deine ETF Anteile und lasse sie im Depot liegen. Handel nicht aktiv mit einem passiven Produkt!!! Investiere mit einem ETF Sparplan, um dich vor falschen emotionalen Entscheidungen zu schützen. Welche Vorteile ein Sparplan sonst noch hat, kannst du in diesem Blogartikel nochmal in Ruhe lesen.

Argument 3: Mit einem ETF kaufst du auch Unternehmen, die du sonst nie kaufen würdest

Ein Aktien ETF beinhaltet nicht nur gute Aktien, sondern auch schlechte Aktien. Schauen wir uns einen DAX ETF an. Der bildet die Performance der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen ab. Ganz ehrlich, von den 30 Unternehmen würde ich weder die Deutsche Bank kaufen, noch die 3 Automobilhersteller, die Lufthansa, den Energieversorger RWE oder die Bayer AG, die seit der Übernahme mit Monsanto einige Probleme hat. Diese Titel machen ungefähr 25% des DAX aus.

Finanzpolster Meinung:

Insbesondere, wenn du dich mit dem „Durchschnitt“, sprich mit der Marktrendite zufrieden gibst, ist ein gut diversifiziertes ETF (dazu gehört nicht der DAX ETF) bestens geeignet. Historisch gesehen ist der MSCI Word Index jährlich im Durchschnitt zwischen 7-8% gestiegen. Da ist es mir völlig egal, ob der Index auch Aktien von Unternehmen beinhaltet, die ich einzeln nicht kaufen würde, solange die Gesamtrendite über die Jahre stimmt.

Argument 4: Ein großes ETF-Portfolio ist teurer als ein gut diversifiziertes Portfolio mit Einzelaktien

ETFs sind kostengünstig, aber können dennoch teuer als Einzelaktien sein. Der gut diversifizierte ETF MSCI All Country Word Index hat einen Total Expense Ratio (TER) von 0,4-0,6% .p.a. Viele wissen allerdings nicht, dass der TER nicht alle Kosten des ETFs beinhaltet, wie etwa die internen ETF-Kosten (Swapgebühren, Handelsgebühren und Spreads innerhalb des ETFs). Bei einem Depot im Wert von 500.000 EUR fallen bei einer Gebühr von 0,5% jährlich schon 2500 EUR an Kosten an. Um die gleiche Diversifikation wie ein ETF zu bekommen, müsstest du mehrere 1000 Aktien kaufen, oder? Dieses Argument wird von ETF Anhänger gerne verwendet. Das ist aber ein Irrglaube.

Peter Hasler zeigt in seinem Buch Reich werden an der Börse: 100 Weisheiten für Ihr Geld mit wissenschaftlichen Methoden auf, dass 15-20 Aktien, die voneinander unabhängig sind das Depot am besten diversifiziert. Zu viele verschiedene Aktien heben den Diversifikationseffekt wieder auf.

Wer aber glaubt, dass das Portfolio von Berkshire Hathaway, vom erfolgreichsten Investor aller Zeiten Warren Buffet, perfekt diversifiziert ist, der irrt sich gewaltig. Die 20 größten Positionen im Portfolio von Berkshire Hathaway machen über 90% des Volumens aus. (hwww.gurufocus.com/guru/warren+buffett/current-portfolio/portfolio)

Finanzpolster Meinung:

Es gibt natürlich erfolgreiche Do It Yourself Einzelaktienanleger. Aber für die meisten Privatanleger ist ein ETF Portfolio in Summe günstiger und vor allem viel weniger zeitintensiv als ein Portfolio aus 15-20 Einzelaktien. Wenn man die Tracking Differences von breit gestreuten ETFs untersucht, sieht man, dass die wahren Kosten oft niedriger sind als die angegebenen Verwaltungskosten (TER). (Anmerkung: die Tracking Differences zeigt wie gut ein ETF im Vergleich zum Index ist und spiegelt somit die tatsächlichen Kosten des ETFs wider.)

Quelle ExtraETF https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B4L5Y983

Auch wenn die Auswahl von Einzelaktien Spaß machen kann, muss man sich um Steuerbelange wie die Rückforderung ausländischer Quellensteuern für Dividenden kümmern, was nicht immer reibungslos funktioniert.

Argument 5: Du hast kein Stimmrecht

Als Aktionär hättest du die Möglichkeit von deinem Stimmrecht bei Hauptversammlungen Gebrauch zu machen. Für einige in meinem Bekanntenkreis ist das einer der wichtigsten Gründe keine ETFs zu kaufen. In der Regel trittst du dein Stimmrecht an Fondgesellschaften wie Comstage, Ishares, Lyxor, Vanguard etc. ab. Vanguard und Blackrock (Ishares) haben heute schon große Beteiligung auf eine Vielzahl von Unternehmen weltweit. Ob das gut ist, musst jeder selber entscheiden.

Finanzpolster Meinung:

Da ich aus Zeitgründen mein Stimmrecht als Aktionär nicht nutze, stört es mich nicht, wenn mich meine Fondgesellschaft vertritt. Als Kleinaktionär hätte man sowieso keinen Einfluss auf die Strategie des Unternehmens. Wichtige Entscheidungen werden in der Regel schon vor der Hauptversammlung mit Großaktionären abgestimmt.

Argument 6: Gefahren durch Swap ETFs

Kritiker warnen immer wieder von synthetischen ETFs. Der ETF selber investiert in einem Korb von Wertpapieren und sichert sich die Performance des Index mittels eines Tauschgeschäfts (Swap) mit einer Investmentbank ab. Da diese Investmentbank auch Zahlungsschwierigkeiten haben kann, ist das ein potentielles Risiko für den Anleger.

Finanzpolster Meinung:

Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, liegt der Swap Anteil bei maximal 10% des Fondvolumens. Darüber hinaus wird dieses Risiko meist zusätzlich noch besichert. Offene Positionen mit der Investmentbank werden bei vielen Fondsanbieter am Ende des Tages beglichen, was wiederum das Risiko minimiert.

Trotz Dotcomblase und Finanzkrise 2008 wurde bisher kein Privatanleger durch die Konstruktion des ETFs geschädigt.

Kaufe dir ETFs, die physisch replizierend sind, wenn du trotzdem kein gutes Gefühl dabei hast.

Argument 7: Verlustrisiko durch Wertpapierleihe

Auch das Verleihen der Wertpapiere des ETF-Anbieters ist vielen Anleger nicht ganz geheuer. Schließlich besteht das Risiko, dass die Gegenpartei (meist Hedgefonds), die Wertpapiere nicht fristgemäß zurückgeben. Im Endeffekt würden die Anleger auf dem Verlust sitzen bleiben.

Finanzpolster Meinung:

Wertpapierleihe ist keine Erfindung des ETFs. Auch aktiv gemanagte Fonds beleihen oft Wertpapiere gegen ein Entgelt. Bisher sind keine Verluste  privater Anleger bekannt. In der Regel wird die Wertpapierleihe überbesichert, um das Risiko zu minimieren. Einige ETF-Anbieter springen zusätzlich im Falle des Falles ein, um die Verluste der Anleger zu kompensieren. Welche Anbieter das machen, findest du auf der jeweiligen Website.

Wenn dir dieses Risiko trotzdem zu hoch scheint, wirst du unter anderem bei ETFs von Fidelity oder Comstage fündig. Bei beiden Anbietern ist Wertpapierleihe kein Thema. Alternativ kannst du deinen ETF bei mehreren ETF Anbieter besparen, um so dein Risiko nochmal zu reduzieren.

Argument 8: Wer kauft die ETFs, wenn alle in der Krise verkaufen?

Der Marktanteil des ETFs ist in den letzten Jahren stark gestiegen und erreicht in den USA über 20% des Publikumfonds Marktes (Alle Investmentfonds, die für Anleger frei zugänglich sind). Skeptiker warnen, wenn bei einem Börsencrash viele Anleger ihre ETFs verkaufen, gibt es nicht mehr genug Käufer, um den Markt zu stabilisieren. Algorithmen lösen weitere Verkaufsordern aus und verstärken so die Volatilität.

Finanzpolster Meinung:

Der Finanzanalyst Gerd Kommer hingegen argumentiert, dass ETFs momentan weltweit nur 1% des verwalteten Vermögens ausmachen.  (www.gerd-kommer-invest.de/wp-content/uploads/2016-07-Wie-stark-ist-das-Passiv-Lager-wirklich.pdf) Daher ist er der Meinung, dass die Angst, dass keine Käufer am Markt zu finden sind, stark übertrieben ist.

Darüber hinaus ist es sehr unwahrscheinlich, dass alle ETF Anleger ihre Anteile gleichzeitig verkaufen wollen. Während einige Anleger verkaufen, sehen andere Anleger den Kursverfall als Einstiegschance. Die meisten würden vermutlich Ihre Anteile weiter halten. So habe ich die kleinen Korrekturen im Februar und Ende 2018 genutzt, um mein ETF Portfolio aufzustocken ?.

Argument 9: Hilfe mein ETF verselbstständigt sich

Normalerweise bildet ein ETF bis auf geringfügige Abweichung den zugrundeliegenden Index genau ab.

Im August 2015 brachen die Kurse weltweit aus Furcht vor einem größeren Konjunktureinbruch in China deutlich ein. Rund 1300 Aktien wurden vom Handel ausgesetzt, um weitere Kursverluste zu stoppen. Die Kurse vieler ETFs haben sich danach verselbstständigt und gaben zum Teil mehr nach als die zugrundeliegenden Aktien. (Hintergrund: Da die zugrundeliegenden Aktien vom Handeln gestoppt wurden, hatten Market Maker nicht mehr die Möglichkeit den fairen Wert der ETF Anteile zu beurteilen. Sie haben sich daher vom ETF Handel zurückgezogen. Da ETF Anleger weiterhin verkauft haben, sind die ETF Anteile weiter gefallen.)

Finanzpolster Meinung:

Verkaufe als langfristiger ETF Anleger nicht aus Panik. Denn innerhalb  kurzer Zeit hatten sich die Kurse des ETFs wieder den zugrundeliegenden Indizes angeglichen.

Fazit

Obwohl es einige kritische Stimmen für ETFs gibt, bin ich grundsätzlich von ETFs weiterhin begeistert. Viele Risiken von ETFs lassen sich durch richtiges Handeln der Anleger stark minimieren.

Insbesondere gute Diversifikation, Sparplanfähigkeit, niedrige Kosten und vor allem sich nicht ständig mit Einzelaktien beschäftigen zu müssen, sehe ich für mich als die größten Vorteile. Durch die Korrektur im Aktienmarkt im Februar und Ende 2018 haben meine ETFs ungefähr 5-6% nachgegeben, die sich in der Zwischenzeit wieder erholt haben. Meine Einzelaktien hingegen Fresenius, Henkel, Porr etc. haben zum Teil zweistellig verloren und sind Großteil noch im Minus.

Ich bleibe daher bei meiner Strategie und investiere weiterhin in ETFs. Einzelaktien kaufe ich nur mit kleinen Beträgen, um meine Spiellust zu befriedigen.

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Kommentare

  • Ich finde ETFs an sich für die meisten Privatanleger vollkommen ok. Für mich persönlich sind sie nichts, da ich lieber in Einzelaktien investiere und mir die Rosinen selber rauspicke. Ich bin lieber etwas fokussiertes als zu sehr diversifiziert.
    LG Sara die Kleingeld Pilotin

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