Ist dein Bankguthaben noch sicher?

Ist dein Bankguthaben noch sicher?

Bankenpleiten kommen glücklicherweise nicht so häufig vor. Jedoch kann der Schaden für uns Sparer enorm sein. Daher lohnt es sich, sich mit diesem Thema etwas näher zu beschäftigen.

Im Jahr 2020 hatten wir in Österreich zwei Banken (ehemalige Meinl Bank – Anglo Austrian Bank AAB und die Commerzialbank Mattersburg), die Insolvenz angemeldet haben. Weitere Bankenpleiten in Österreich liegen glücklicherweise schon etwas länger zurück: Wiener Trigon Bank AG 2001, Diskont Bank AG 1998, Rieger-Bank AG 1998. Dennoch ist die Frage berechtigt: Ist dein Bankguthaben noch sicher?

Was bedeutet eine Bankenpleite für den Sparer?

Die gute Nachricht ist, dass bei einer Bankeninsolvenz das Ersparte bis zu einem Betrag von 100.000 EUR pro Person und Finanzinstitut nicht verloren geht.

Pro Person (auch juristische Person) und Bank werden in Österreich Guthaben auf Konten und Sparbüchern bis zu 100.000 EUR durch eine der beiden Einlagensicherungssysteme besichert:

  • Einlagensicherung AUSTRIA Ges.m.b.H. (alle österreichische Banken, außer der Sparkassenfamilie)
  • Sparkassen-Haftungs GmbH (eigenes Einlagensicherungssystem für die Sparkassenfamilie)

Wenn du dir unsicher bist, welchem Einlagensicherungssystem deine Hausbank angehört, kannst du auf die jeweilige Homepage schauen. Wenn deine Hausbank den Firmensitz außerhalb von Österreich hat, greift eine ausländische Einlagensicherung. Innerhalb der EU werden Einlagen ebenso bis 100.000 EUR besichert.

Wie sicher ist die Einlagensicherung?

Im Falle der Commerzialbank Mattersburg haftet die Einlagensicherung AUSTRIA Ges.m.b.H mit ihrem Fondsvermögen. Anfang des Jahres 2020 wurde der Fond mit 750 Mio EUR dotiert. Bis 2045 wird der Fonds von den Mitgliedsbanken auf 1,4 Milliarden EUR aufgestockt. Das klingt erstmal viel, jedoch entspricht dieser Sicherheitspolster nur 0,8% der gesamten Einlagen der Mitgliedsbanken.

Von den 750 Mio EUR wurden bis Anfang September 2020 bereits ungefähr 510 Mio EUR an geschädigte Sparer ausbezahlt. Ungefähr 60 Mio EUR wurden durch den Konkurs der ehemalige Meinl Bank (Anglo Austrian Bank AAB) im Frühjahr 2020 ausbezahlt. Der Rest ging an die Sparer der Commerzialbank Mattersburg.

Wie du siehst, ist die Einlagensicherung zu einem großen Teil schon ausgeschöpft. Das Einlagegesetz sieht vor, dass Banken innerhalb einer gewissen Zeit den Fonds bis zu einem Mindestbetrag wieder auffüllen müssen. Dennoch frage ich mich, was passiert, wenn die nächste kleinere Bank oder größere Bank pleite geht. Gehen Anleger leer aus oder springt der Staat und schlussendlich der Steuerzahler ein?

Folgende Zahlen helfen dir dabei ein besseres Gefühl für die Größe der Banken in Österreich zu bekommen: Die Commerzialbank Mattersburg hat eine Bilanzsumme von ungefähr 800 Mio EUR. Die Erste Group hat im Jahr 2018 eine Bilanzsumme von 240 Milliarden EUR und betreut Einlagen von mehr als 160 Milliarden EUR. Die Raffeisenbank International auf Platz 2 hat eine Bilanzsumme von 140 Milliarden EUR.

Als Anleger hat man kaum die Möglichkeit zu erkennen, wie es deiner Hausbank finanziell geht. Hier müssen wir grundsätzlich auf die Wirtschaftsprüfer und Bankenaufsicht vertrauen. Dennoch schadet es nicht das Verlustrisiko des Bankguthabens mit folgender simplen Strategie zu reduzieren.

So reduzierst du das Verlustrisiko deines Bankguthabens

Nicht alle Eier in einem Korb legen

Streuen, streuen, streuen ist nicht nur im Wertpapierdepot wichtig, sondern auch bei deinen Bankeneinlagen. Es versteht sich von selbst, dass Sparguthaben über 100.000 EUR am besten auf mehrere Finanzinstitute aufzuteilen sind. Aber auch bei kleineren Beträgen ist eine Streuung durchaus sinnvoll.

  • Du reduzierst das Verlustrisiko, wenn die Einlagensicherung ausgeschöpft ist.
  • Im Falle einer Bankeninsolvenz kannst du über Nacht nicht mehr auf dein Konto zugreifen. Mit deinem zweiten Konto kannst du weiterhin Geld überweisen, Rechnungen begleichen oder Geld abheben.
  • Wir müssen natürlich nicht von Schlimmsten ausgehen. Hast du dir schon mal überlegt, wie du vorgehst wenn du deine Bankomatkarte verlierst oder sie gesperrt wurde? Auch hier ist eine zweite Bankomatkarte bei einer separaten Bank ein Segen.

Ausländisches Einlagensicherungssystem nutzen

Um das Verlustrisiko weiter zu minimieren, könntest du einen Teil deines Vermögens auch auf einem deutschen Kreditinstitut parken und vom deutschen Einlagensystem profitieren. Umgekehrt können deutsche Sparer auch das Geld in Österreich anlegen. Viele Banken bieten Giro bzw. Spar- Konten kostenlos an. Recherchieren lohnt sich.

Wenn du ein Misstrauen gegenüber Kreditinstituten in der Eurozone hast, dann kannst du auch außerhalb der Eurozone dein Geld parken. Hier ist der Aufwand schon etwas höher.

Ein zweites Wertpapierdepot zu haben, lohnt sich das?

Reduzierung von technischem Risiko

Als es an den Börsen im März 2020 turbulent zuging, hatte ich Schwierigkeiten bei meinem Broker Transaktionen durchzuführen. Ich nehme an, dass die Server meines Brokers kurzfristig überlastet waren, da viele Marktteilnehmer Wertpapiere verkaufen wollten.

Reduzierung von Liquiditätsrisiko

Wertpapiere sind Sondervermögen und daher grundsätzlich vom Insolvenzrisiko deines Brokers geschützt. Im Falle einer Insolvenz deines Brokers kann es in der Realität jedoch länger dauern bis du tatsächlich Zugriff auf deine eigenen Wertpapiere hast. In der Zwischenzeit ist daher kein Handel möglich.

Reduzierung eines Verlustrisikos durch Betrug

Luftbuchungen, falsche Kontenbestätigungen, Scheinkredite, Goldbetrüger, die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen. Die kriminelle Energie kennt keine Grenzen.

Sind Wertpapiere eines Anlegers im Sicherungsfall nicht mehr vorhanden – zum Beispiel durch betrügerische Aktivitäten des Brokers oder der Depotbank – ist auch dein Vermögen futsch. Glücklicherweise werden deine Verluste im Rahmen der Anlegerentschädigung bis 20.000 EUR ersetzt. Die Anlegerentschädigung gilt wieder pro Person und Bank/Broker.

Fazit

Ob die Einlagensicherung im Ernstfall deine Verluste decken kann, hängt meiner Meinung nach vom Schadensvolumen ab. Als Anleger solltest du definitiv schauen, dass du nicht alle Eier in einen Korb legst. Das gilt sowohl für dein Wertpapierdepot als auch für dein Spar und Girokonto.

Bildnachweis: Michael Longmire | Unsplash

Gleich weiterlesen...

Teile deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Melde Dich für den Newsletter an!

Finanzpolster veröffentlicht regelmäßig neue Artikel zum Thema finanzielle Freiheit und Sicherheit. Verpasse keine Finanzpolster Artikel mehr!

Kommentare

Melde Dich für den Newsletter an!

Finanzpolster veröffentlicht regelmäßig neue Artikel zum Thema finanzielle Freiheit und Sicherheit. Verpasse keine Finanzpolster Artikel mehr!