ETF Passives Investieren mit Exchange Traded Funds

Hast du auch schon die Schnauze voll von den niedrigen Zinsen? Möchtest du auch von steigenden Kursen am Kapitalmarkt profitieren? Dir fehlen leider noch das notwendige Wissen und die Zeit? Wenn du alle drei Fragen mit jaaaa beantwortet hast, dann bist du in diesem Artikel genau richtig.

In diesem Beitrag erfährst du warum ETFs für deinen langfristigen Vermögensaufbau interessant sind und worauf du bei einem Investment in ETFs achten sollst.

Was sind Fonds?

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, ist es wichtig zu verstehen was Fonds eigentlich sind. Bei Fonds oder Investmentfonds zahlen Investoren in einen „Topf“ rein. Dieses Geld wird von einem Fondmanager verwaltet und in unterschiedlichen Assetklassen (z.B Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, andere Fonds etc.) investiert.

Der Vorteil für den Investor ist, dass er mit einem Fondanteil nicht nur eine einzige Aktie oder Anleihe eines Unternehmens kauft, sondern von mehreren Unternehmen gleichzeitig. Das führt dazu, dass der Investor sein Risiko viel besser streut, da er sozusagen nicht alle Eier in einem Korb hat. Für das Verwalten des Fonds werden in der Regel 1,5-5% Spesen p.a. verrechnet.

Was ist jetzt der Unterschied zwischen Investmentfonds und Exchange Traded Funds?

ETFs sind daher börsengehandelte Indexfonds, die möglichst genau den Kursverlauf eines Index (z.B. DAX, ATX, Dow Jones, Euro Aggregate Bond, Euro Corporates etc.) – sprich den Markt – nachbilden, indem Werte (z.B Aktien oder Anleihen) des zugrundeliegenden Index gekauft werden.

Bei klassischen Investmentfonds hingegen wählt der Fondmanager aktiv Aktien oder andere Werte auf Basis seiner Markteinschätzung und Strategie aus. Da diese Tätigkeit bei ETFs nicht notwendig ist, spricht man auch von passiv gemanagten Fonds.

Warum und wann sind ETFs entstanden?

ETFs sind in den 1970er Jahre in den USA entstanden, weil man schon damals wusste, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds im Durchschnitt über die Jahre den Markt (z.B.: S&P 500, MSCI World etc.) nicht schlagen können.

Schade, dass Finanzpolster zur Beginn seiner „Investmentkarriere“ vor mehr als 10 Jahren noch nichts über ETFs gehört hatte. Damals waren börsennotierte Indexfonds in Österreich noch sehr unbekannt. Mittlerweile fließt immer mehr Geld von aktiven Fonds in ETFs, die mittlerweile ein Volumen von über 3.500 Milliarden USD haben.

Warum sind ETFs eine gute Ergänzung zu deinem Portfolio?

ETFs schlagen im Schnitt 75-80% der aktiv gemanagten Fonds nach Berücksichtigung aller Kosten.

  • Insbesondere Pensionsfonds und Lebensversicherungfonds schneiden wesentlich schlechter ab aufgrund höherer Kosten und interner und gesetzlicher Vorgaben.
  • Im Durchschnitt steigen die Indizes MSCI Word und S&P 500 7-8% p.a.
  • Vielleicht hast du schon von der berühmten Wette Warren Buffetts gehört?
    •   Der Multimilliardär Warren Buffett hat mit Fondsmanagern um 500.000 USD gewettet, dass keiner von ihnen es mit ihren Fonds schafft über einen Zeitraum von zehn Jahren nach Abzug von Gebühren den S&P 500 zu schlagen. (Anmerkung: dieser Aktienindex, umfasst die Aktien von 500 der größten börsennotierten Unternehmen in den USA.) Nur ein Fondmanager war bereit die Wette anzunehmen. Obwohl die Wette bis Anfang 2018 noch läuft, ist es jetzt schon klar, dass seine aktiv gemanagtem Fonds (bisher über 2% p.a Performance) den S&P 500 (bisher über 7% p.a) weit unterlegen sind.

Anleger können den Markt langfristig nicht schlagen!!

  • Laut Untersuchungen von Prof. Gerd Kommer, Autor des Buch Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs* können Anleger auf dauer den Markt unter Berücksichtigung von Kosten und Risiko nicht schlagen.
  • Es wäre daher nur reine Zeit und Geldverschwendung es zu versuchen.

Investitionen in ein ETF streut dein Risiko, da du mit deinen Anteilen gleichzeitig in vielen Werten investiert bist.

  • Ein ETF, der den MSCI World abbildet, beinhaltet über 1600 Aktien.
  • Darunter sind Aktien von Google, Facebook, Amazon, Microsoft, Apple, General Electric, Nestlé, Procter and Gamble, Coca-Cola, Walt Disney etc.

ETFs sind viel günstiger als aktive Fonds.

  • Die Spesen betragen 0,2-0,8% abhängig von der Komplexität des ETFs.

ETFs sind besonders gut geeignet für passive Investoren oder Investoren, die sich nicht so viel mit Wertpapiere beschäftigen können oder wollen.

  • Da du dich nicht tagelang mit der Analyse von Wertpapieren beschäftigen musst, sparst du dir eine Menge Zeit.

Im Gegensatz zu Zertifikaten (Schuldverschreibung) und Anleihen sind Fonds und ETFs Sondervermögen.

  • Wenn der Emittent deines ETFs in Konkurs geht, brauchst du dir keine Sorgen machen, dass dein Geld verloren geht. Sondervermögen gehört nicht zur Insolvenzmasse und darf daher von Gläubigern nicht angerührt werden.
  • Als Lehman Brothers – einer der größten Investmentbanken in den USA pleite war – waren die Zertifikate, die sie ausgegeben hatten über Nacht wertlos, weil Zertifikate rechtlich gesehen Schuldverschreibungen sind. D.h hätte man damals ein Indexzertifikat (z.B mit DAX als Basiswert) von Lehman Brothers gekauft, dann würde man sein Geld trotzdem verlieren, selbst wenn der Dax gestiegen wäre.

Es müssen nicht immer Aktien sein.

  • Du kannst ebenso in ETFs investieren, die Anleihen, Gold und andere Rohstoffe beinhalten.

Last but not least, ETFs kannst du monatlich schon ab 25 EUR über einen Sparplan kaufen.

  • Manche Broker (in Österreich Flatex.at*) verrechnen dafür keine Gebühr.

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Was sind die Nachteile von ETFs?

ETFs sind relativ unsexy, sie bilden den Markt ab und schlagen daher  nie den Markt.

  • Das heißt, wenn wir wieder mal schlechtere Börsenjahre haben, sind die Renditen sehr mager oder sogar negativ.
  • Durch die richtige Auswahl von Einzelaktien oder aktiven Fonds hingegen könntest du in Bärenmärkten (Anmerkung: Markt mit anhaltend fallenden Kursen) ebenso positive Ergebnisse erzielen.

Bei stark fallenden Börsen sind aktiv gemanagte Fonds eventuell die bessere Wahl

  • Fondmanager können die Werte umschichten und somit Verluste begrenzen.

ETFs sind zwar günstiger als Fonds, aber können trotzdem teurer als Aktien sein.

  •  Aktien haben keine laufenden Kosten mehr.
  • Bei einem 100.000 EUR Portfolio, das nur in ETF investiert ist, hat man jährlich ein paar hundert Euro Spesen.

Investment in ETFs erfordert viel Disziplin, denn kurzfristig können die Märkte 15-25% einbrechen.

  • Verliere daher nicht die Nerven, indem du alles verkaufst, wenn die Kurse unten sind. Langfristig steigen die Märkte!!
  • Dein Erfolg hängt damit zusammen, ob du die Nerven behalten kannst.

Was musst du bei einem Investment in ETFs beachten?

Informiere dich über den zugrundeliegenden Index.

  • Ist der Index breit gestreut?
  • Wo sind die regionalen Schwerpunkte?
  • Auf welche Branche wird der Fokus gelegt?

Wird der Wert des ETF Vermögens nicht in EUR berechnet, hast du ein Währungsrisiko.

  • Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Je nachdem wie sich diese Fremdwährung entwickelt sind zusätzliche Erträge oder Verluste möglich.

Wenn ETFs Aktien/Anleihen beinhalten, hast du die Wahl zwischen Dividenden/Zinsen ausschüttenden oder wiederveranlagten (thesaurierenden) ETFs.

  • Aus Sicht der Versteuerung sind thesaurierende ETFs die bessere Wahl. ->Ausschüttungen werden mit der KeSt gleich besteuert.
  • Allerdings kann der Erhalt von Dividenden/Zinsen auch sehr motivierend sein. Es ist fast wie Weihnachten ?

In welchem Land ein ETF aufgelegt ist, kann bei der Besteuerung eine Rolle spielen.

  • Nun gut, als Österreicher hast du eh keine Wahl. Du musst ausländische ETFs kaufen. Schaue daher, dass du nur ETFs kaufst, die einen steuerlichen Vertreter in Österreich haben. (Auch Meldefonds genannt)
  • Ob es sich bei deinen ETFs um Meldefonds handelt, findest du unter www.profitweb.at oder justETF
  • Wenn es Meldefonds sind, musst du dich um die Besteuerung des Fonds nicht selber kümmern. Die inländische Depotbank führt die KeST ab. (Bei Unklarheiten, frage am besten deine Depotbank bzw. einen Steuerberater)

Art der Zusammensetzung eines ETFs

  • Physische Replikation, d.h. genaue Abbildung des Index, was oft bei kleineren Index der Fall ist
  • Sampling – bei dieser Methode, bilden gewisse Aktien den ganzen Index ab. Beispielsweise wird der ETF auf den MSCI World All Country World Index mit der ISIN IE00B6R52259 aus ungefähr 1100 Aktien gebildet, obwohl der Index aus ungefähr 2400 Aktien berechnet wird. (Sampling Methode ist billiger als physische Replikation)
  • Synthetische Nachbildung – Hier wird ein Index durch Swaps (Tauschgeschäfte) nachgebildet ohne die zugrundeliegenden Werte zu besitzen.  Vorteil: Kosten sind sehr niedrig  und eine genauere Nachbildung als beim Sampling möglich.  Nachteil: Der Investor hat zusätzlich noch ein Kontrahentenrisiko, da der Swap Partner theoretisch ausfallen kann.

Das Fondsvolumen kann eine Rolle spielen,

  • denn je kleiner das Volumen ist, desto höher können die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) sein.

Die Kosten unterscheiden sich von Anbietern zu Anbietern.

  • Hier lohnt sich der Vergleich der Anbieter. Die größten Anbieter sind Ishares, Comstage, db X-trackers ETFs, LYXOR und Amundi.
  • Die jährlichen Verwaltungskosten werden auch Total Expense Ratio (TER) genannt.

Die Gesamtabweichung eines ETFs von seinem Index, welche als Tracking Error bezeichnet wird, solltest du bei der Auswahl des ETFs ebenso beachten.

  • Schließlich möchtest du so gut wie möglich den zugrundeliegenden Index nachgebildet haben.

Ob du einen ETF monatlich automatisch mit einem kleinen Betrag ab 25 EUR besparen kannst, ist ebenso ein entscheidender Faktor.

  • Einige Broker z.B Flatex*  bieten einen kostenlosen Sparplan für gewisse ETFs an.
  • Vorteil: Du musst nicht einmalig einen größeren Betrag investieren. Du profitierst auch von dem Cost Average Effekt. Das heißt wenn der Kurs fällt, kaufst du automatisch mehr Anteile und wenn der Kurs steigt weniger. Somit reduzierst du das Risiko im falschen Zeitpunkt zu kaufen.

Fazit

Falls du langfristig orientiert bist und dich nicht allzu viel mit der Börse beschäftigen willst, ist ein ETF das optimale Finanzprodukt für dich. Du investierst passiv ohne ständig auf dein Depot schauen zu müssen und dir  ständig Gedanken zu machen. Trotzdem ist es wichtig dich vor dem Kauf gut zu informieren, denn ETFs sind nicht gleich ETFs. Sie unterscheiden sich im zugrundeliegenden Index, Replikationsmethode, Kosten, Art der Gewinnverwendung (ausschüttend oder thesaurierend) etc.

Wenn du noch mehr über ETFs erfahren möchtest, lese das Buch von Gerd Kommer: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen*

Im nächsten Artikel zeigt dir Finanzpolster wie du konkret passende ETFs findest und welche ETFs Finanzpolster gerade besitzt.

 

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